WERTSTATT SCHREINEREI ABENDSCHEIN | Geschäft mit dem Licht
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27 Nov Geschäft mit dem Licht

“Christine Abendschein führt seit 25 Jahren einen Laden auf dem Starnberger Kirchplatz. Sie hat es gelernt, Einrichtung, Architektur und Möbel in Szene zu setzen. Oft hat die Stücke ihr Mann Robert gebaut, der Schreiner ist.

Nein, ein normaler Leuchtenladen, in dem Dutzende verschiedener Leuchten dicht an dicht von der Decke baumeln, ist das hier nicht. Es sind ausgesuchte, schöne Designerstücke eben. Etliche stylische Leuchten hängen an der Wand, großzügig präsentiert. In der Mitte des Raumes ragt eine große Holztheke aus dem Boden, an der Wand zieht sich ein Sideboard entlang.  “Klar, dass die Einrichtung mein Mann gebaut hat”, sagt Christine Abendschein. Ihr Mann Robert führt im Starnberger Gewerbegebiet einen Schreinereibetrieb, der sich auf Innenausbau und Inneneinrichtung spezialisiert hat.

Seit 1976 gibt es diesen Handwerksbetrieb, und von Anfang an hat Christine Abendschein mitgearbeitet – ein echter Familienbetrieb. “Wir haben aber gemerkt, dass viele Kunden nicht nur maßgefertigte Möbel, sondern diese auch in Szene setzen wollen”, sagt Robert Abendschein. Was in Gebäuden ja durch Licht möglich ist. So entstand 1989 die Idee, ein spezielles Geschäft aufzumachen. Lichtdesign Abendschein besteht jetzt seit 25 Jahren. Ein Jubiläum, das in diesen Tagen gefeiert wird.

Die ersten Geschäftsräume befanden sich an der Hanfelder Straße, doch schon nach wenigen Jahren erfolgte der Umzug an den Kirchplatz. “Wir haben einfach mehr Platz gebraucht”, erklärt Christine Abendschein, die eigentlich gelernte Krankenschwester ist. Die Kombination von Einrichtung und Lichtdesign hat sich in Starnberg erfolgreich etabliert. “Wir sind in eine echte Marktlücke gestoßen”, erinnert sich Christine Abendschein. Aber auch die Schreinerei, in der sechs Mitarbeiter beschäftigt sind, läuft sehr erfolgreich. “Sehr häufig haben wir komplette Häuser einzurichten”, sagt Robert Abendschein und zeigt ein paar Fotos exklusiver Inneneinrichtung – von der Küche, die einem Sternekoch zur Ehre gereichen würde, bis hin zum kompletten Wohnzimmer. Arbeiten die schon mal zwei, drei Monate den kompletten Betrieb beschäftigen. “Wir machen aber auch mal einen Spiegelschrank, wenn es gewünscht wird”, sagt Robert Abendschein und lacht.

Seit 1976 führt er die Schreinerei, zunächst in Söcking. “Ein toller Beruf, aber man muss auch mit der Zeit gehen”, sagt er. Was heißt, dass nicht nur mit Holz, sondern auch mit Glas, Metall und Kunststoffen gearbeitet wird. So wie beim Lichtdesign die Glühbirne langsam erlischt, während die LED-Technik auf dem Vormarsch ist. Christine Abendschein lehnt diese neue, stromsparende Technologie nicht ab, während manche Kunden – 3.500 Adressen hat sie in der Kartei – noch zögerlich sind. “LED-Licht ist nicht mehr weiß und kalt”, sagt sie. “Das war einmal”.

Was ist für Christine Abendschein, die sich selbst als Lichtberaterin bezeichnet, das schönste Licht? “Am besten ist eine Leuchte, die man gar nicht bemerkt”, sagt sie. Und führt als Gegenbeispiel einen Tisch in einer Gaststätte an, der mit einer Lampe von oben so grell und ungemütlich beleuchtet wird, das man am liebsten wieder aufstehen und gehen würde.

Vier Kinder haben die Abendscheins, eine Tochter arbeitet im Lichtgeschäft mit, der Sohn in der Schreinerei. Der Fortbestand des Familienbetriebs scheint also gesichert, auch wenn Christine und Robert Abendschein, beide Anfangs-Sechziger, noch lange nicht ans Aufhören denken. Nur eines hat sich Christine Abendschein ausbedungen: Mittags schließt das Geschäft für zwei Stunden. Dann kocht sie für die Familie, manchmal ayurvedisch, oder geht schnell mal zum Schwimmen an den See. “Wir genießen hier diese Landschaft sehr”, sagt auch Robert Abendschein. Wenn sie mal in Urlaub fahren, dann in asiatische Länder.

Zum umgestalteten Kirchplatz hat Christine Abendschein eine dedizierte Meinung: “Wir finden den Kirchplatz okay. Es ist ja ein Platz und keine Parkanlage mit Bänken und Bäumen. Wer Grün will, kann ja in den Schlossgarten oder an die Seepromenade gehen.” Vor allem der Brunnen, dessen Wasser ein paar Meter von der Eingangstür über eine Mauer hinabrauscht, gefällt Christine Abendschein. “Das ist total entspannend, dieses Rauschen”.”


Süddeutsche Zeitung Nr. 271, Dienstag, 25. November 2014
von Otto Fritscher